Inklusion im Alltag!

Die Elterngruppe WIR macht im Artikel deutlich, wie wichtig Inklusion im Alltag einer Familie mit einem behinderten Kind ist und wie wenig von öffentlicher Seite getan wird.

Allgemeine Zeitung, 07.08.2019, Christine Tibroni

Gruppe „WIR“ für Eltern von Kindern mit Handicaps prangert Missstände an

„Wünschen uns Inklusion im Alltag“

Elterngruppe WIR

Andrea Honermann (l.) mit Sohn Mathis und Andrea Hardeling (r.) gründeten vor fünf Jahren die Elterngruppe „WIR“, die in einem Brandbrief aufdie Lebenssituation von Familien mit behinderten Kindern aufmerksam macht und an vielen Stellen politischen Steuerungsbedarf sieht. Foto: ct


COESFELD. Inklusion ist in aller Munde. Das freut Andrea Honermann, Sprecherin der „WIR“, einer Gruppe für Eltern von Kindern mit Handicaps. Ein großes Aber schicken sie und weitere 14 Familien, die der Gruppe angehören, unmittelbar hinterher. Honermann: „Das Thema Inklusion wird unserer Meinung nach zu stark auf den Bereich Schule fokussiert. Wir wünschen uns, dass Inklusion an der Basis ansetzt, im Alltag unserer behinderten Kinder.“ Da besteht nach Einschätzung der „WIR“ an vielen Stellen und in zunehmendem Maße Handlungsbedarf. Die wesentlichen Punkte hat die Gruppe in einem sechsseitigen Papier mit der Überschrift „Hinweis auf Missstände. Hilferuf!!!“ aufgeführt und unter anderem Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern zukommen
lassen, um möglichst viele Hebel in Bewegung zu setzen. Bewegt habe sich jedoch nichts, bedauert Andrea Honermann. „Die Antworten, die wir bekommen
haben, stellen uns nicht zufrieden, weil kein echter Wille zur Veränderung erkennbar ist.“ Und Andrea Hardeling, die zusammen mit Andrea Honermann vor
fünf Jahren die „WIR“ ins Leben gerufen hat, fügt hinzu: „Ganz besonders unbefriedigend ist, wenn mit Zuständigkeiten argumentiert wird. Da schiebt jeder dem anderen den schwarzen Peter zu, und am Ende passiert nichts. Warum kann man nicht einfach mal gemeinsam an Lösungen arbeiten?“ Das sind die Hauptkritikpunkte beziehungsweise Forderungen der „WIR“:

  • Verfahren zur Beschaffung von Hilfsmitteln: Um den Alltag zu erleichtern und ein Kind mit Handicap zu fördern und zu fordern, sind die Familien auf Hilfsmittel angewiesen, die nur von einem Facharzt verordnet werden können und von den Kranken-/Pflegekassen finanziert werden. „Doch in letzter Zeit kommt es sehr häufig vor, dass die Kostenträger den Antrag auf Kostenübernahme erstmal ablehnen“, beklagt die „WIR“. Gegen diese Ablehnung kann Widerspruch eingelegt werden – Auftakt zu einem kräftezehrenden Papierkrieg. Und das obwohl die Eltern ihre Kraft für die Pflege und Betreuung ihrer Kinder benötigen. „Wir regen daher an, eine Beschwerdestelle/Ombudsstelle einzurichten, die das Widerspruchsverfahren und gegebenenfalls gerichtliche Verfahren durchführt.“ Grundsätzlich fordert die Elterngruppe „eine zügige Bewilligung von Hilfsmitteln und Pflege auf der Grundlage der Verordnung von Fachärzten.“ Kämpfen müssen Familien auch um weitere Hilfsmittel wie ein Rollstuhlfahrrad oder eine Rollstuhlrampe für das Familienauto – obwohl gerade die Mobilität wesentliche Voraussetzung für soziale Teilhabe ist – und um Familienkuren, in denen alle Familiemitglieder die Möglichkeit bekommen, Kraft zu schöpfen, um anschließend gestärkt in den Alltag zurückzukehren. „Wir schlagen vor, dass wir Familien einen gesetzlichen Anspruchauf eine Reha-Maßnahme für alle Familienangehörigen im Abstand von höchstens drei Jahren erhalten. Das Antragsverfahren sollte unkompliziert über den Hausarzt mit dem Kostenträger abgewickelt werden“, heißt es dazu in dem Papier der Elterngruppe.
  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Da Kinder mit Handicap häufig krank sind, sowieso mehr Arzttermine erforderlich sind, regt „WIR“ an, den Anspruch auf bezahlte Freistellung auf 20 Tage pro Elternteil zu erhöhen. Sonderregelungen seien für Operationen der gehandicapten Kinder zu treffen.
  • Kinderpflegebetten in Krankenhäusern: Jedes Krankenhaus mit Kinderstation sollte verpflichtet werden, die Station mit mindestens einem Kinderpflegebett, das für ältere Kinder/Jugendliche mit Behinderung geeignet ist, auszustatten.
  • Ferien-/Freizeitbetreuung: Angebote gibt es, allerdings können Familien, deren Kinder über eine Sonde ernährt und abgesaugt werden müssen, diese oft nicht wahrnehmen, da es an entsprechend ausgebildeten Betreuern fehlt, genauer gesagt an den finanziellen Mitteln, die für die Ausbildung aufgewendet
    werden müssen. Auch hier muss Inklusion greifen und allen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, in ihrer Freizeit Anregung, Freude und das Zusammensein mit Altersgenossen zu haben.

Das gesamte Schreiben und weitere Informationen zur Elterngruppe „WIR“ gibt es online unter | www.bunter-kreis-muensterland. de/index.php/so-helfenwir/elterngruppen/kinder-mithandicaps
 

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