Alles wieder im Lot
Christopher und Vanessa Onyeogazili, mit Jermaine und George und Nachsorgeschwester Annette Raabe mit Angelina. Bruder Gabriel verzichtete zu Gunsten eines Gesundheitsschläfchens auf das FotoshootingVon Ulla Wolanewitz
Rheine. Während draußen uselig graues Novemberwetter herrscht, ist es drinnen schön muckelig warm und sehr lebendig. Angelina macht Mätzkes und ihre
Zwillingsbrüder amüsieren sich bestens. Jermaine hüpft vergnügt auf dem Schoß von Papa Christopher. Diese Resonanz freut wiederum seine achtjährige Schwester: "Der springt immer wie ein Toast."
So langsam ist alles wieder im Lot bei Familie Onyeogazili. Jetzt, wo die beiden Jungs zehn Monate alt sind, ist das Allergröbste überstanden. Zunächst hatten die Zwei ihr "Hotel Mama" für neun
Monate gebucht. Dann kam allerdings das feto-fetales Transfusionssyndrom (der eine hat zu viel Blut, der andere zu wenig) dazwischen. Das sorgte dafür, dass die Zwillinge schon drei Monate vorher
ihre Abenteuerreise in die Welt in Angriff nehmen mussten.
"Wegen der Komplikationen war ich jeden Montag zur Kontrolle im Mathias-Spital. Am 29. Januar gab es nur noch eine Möglichkeit: Kaiserschnitt", macht Vanessa Onyeogazili deutlich. Es war keine
leichte Geburt. Jermaine hatte ein Loch im Herzen und es sah so aus als würde er nicht überleben. Seinem Bruder George machte eine Gehirnblutung zu schaffen. Beide mussten zwei Wochen beatmet werden.
Längere Krankenhausaufenthalte forderten die ganze Familie. Während die Eltern täglich zwischen Krankenhaus und Zuhause pendelten, mussten Angelina (8) und Gabriel (3) eben auch noch versorgt werden.
Zum Glück gibt es Oma, die immer gerne einspringt, eine Haushaltshilfe und "den Bunten Kreis, der uns sehr gut geholfen hat", betont die 26-jährige Mutter lobend. "Der bunte Kreis Münsterland" nimmt
- schon im Krankenhaus - durch eine Nachsorgeschwester Kontakt auf zu den Eltern von früh- oder risikogeborenen Kindern. Kinderkrankenschwester Annette Raabe, die zusätzlich als Case-Managerin
ausgebildet ist, sorgte dafür, dass der Übergang nach Hause reibungslos verlief. "Diese Unterstützung ist einfach klasse. Die wissen, was zu tun ist, was man machen muss und kann und wo man das
bekommt", erklärt die junge Mutter. Annette Raabe begleitete sie auch zum ersten Kinderarzttermin, weil "man sich einfach sicherer fühlt, wenn noch jemand dabei ist, der sich richtig auskennt. Vier
Ohren hören mehr als zwei". Annette Raabe jedenfalls war immer da, immer nah, wenn die Eltern sich Sorgen machten, mal nicht weiter wussten. Auch abends, wenn bei Boy George, bedingt durch seine
Unreife, mal wieder nicht über 35,7 Grad Körpertemperatur kam. "Da habe ich dann eben noch ein Körnerkissen vorbeigebracht, denn zu warm einpacken darf man die Kleinen dann auch nicht", erklärt die
gute Fee vom Bunten Kreis.
Mittlerweile haben sich die Zwei, eben auch Dank frühzeitiger Unterstützung, recht gut gemacht. Jermaine bringt bereits acht Kilogramm auf die Waage. George liegt gewichtstechnisch mit sechseinhalb
Kilogramm etwas hinter ihm, "ist aber dafür motorisch etwas weiter", sagt Vanessa Onyeogazili, die die Unterschiede ihrer Sprösslinge sehr gut im Blick hat.
Zum großen Glück fehlt jetzt nur noch eine größere Wohnung, aber die zu finden ist nicht einfach, für eine sechsköpfige Familie. "Wir sind auf der Suche. Wenn das jetzt noch klappt, wäre Weihnachten
perfekt", bekennt die tapfere Chefin dieses kleinen Familienunternehmens.
Rheiner Volksblatt / 4. Dezember 2010