Mina wagte den Start ins Leben viel zu früh
Jörg und Silke Schröder aus Lünne mit ihrer Tochter Mina und Case-Managerin Petra Vos vom Bunten Kreis MünsterlandVon Ulla Wolanewitz
Rheine. Knapp sechstausend Kilometer legten Silke und Jörg Schröder in den Monaten Juni bis August zurück. Allerdings nicht zum reinen Vergnügen. Denn Inhalt
dieser Distanz war keine schweißtreibende Urlaubsreise bei tropischen Temperaturen um den halben Äquator, sondern vielmehr eine tagtägliche, lebensnotwendige Herausforderung.
Zehneinhalb Wochen pendelten die jungen Eltern von Lünne zum Mathias Spital nach Rheine, meistens sogar zweimal täglich. Den Anlass dazu lieferte Töchterchen Mina. Die kleine charmante Dame, die sich
jetzt auf Papas Schoß so wohl fühlt, dass sie jedem Besucher mit einem süßen Lächeln begegnet, wagte schon in der 29. Woche ihren Start in das wilde Leben. Heute bringt der flotte Nachwuchs, in
rosa Strumpfhose und schickem Jeanskleidchen, 6.180 Gramm Eigengewicht auf die Waage. Bei ihrer Geburt waren es grad mal 1.540 Gramm. Davon verlor Mina in den ersten Tagen dann auch noch 200 Gramm.
"Das war die Wassereinlagerung", erklärt ihre junge Mutter. "Die lieferten zusammen mit der erhöhten Herzfrequenz den Grund zum Kaiserschnitt am 16. Juni." Als hätte sie die verfrühte "Landung" von
Mina irgendwie geahnt, "habe ich schon ein paar Tage zuvor meine Sachen für das Krankenhaus bereit gelegt", bemerkt Silke Schröder.
Eine Vorsorgeuntersuchung im Lingener St. Bonifatius Hospital lieferte besorgniserregende Ergebnisse, so dass sich die zuständigen Ärzte veranlasst sahen, eine Überweisung nach Rheine anzuordnen.
Schon wenige Stunden später befand sich die junge Familie im Mathias-Spital. Dort gibt es das Perinatalzentrum-Level 1 und Herzspezialisten.
Just angekommen musste Mina direkt beatmet werden und ihre Mutter sich vom Kaiserschnitt erholen. Somit bekam Mama Silke ihren kleinen Sonnenschein mit den strahlend blauen Augen erst am nächsten Tag
zu sehen.
"Ich habe ihr am ersten Abend aber schon die Fotos mitgebracht", sagt der stolze Vater, der seine Damen natürlich nicht aus den Augen ließ.
Für Mina scheint all das schon Ewigkeiten zurück zu liegen. Zwar muss sie noch einige Medikamente zu sich nehmen, ansonsten aber fühlt sie sich putzmunter. Und bei Petra Vos legte sie sich so richtig
ins Zeug. "Sie beobachtet ja schon recht aufmerksam und fixiert Menschen ganz genau", lobt die Nachsorgeschwester von "Der bunte Kreis Münsterland". Die "Case-Managerin" nahm bereits im
Mathias-Spital Kontakt auf zu Minas Eltern. "Die Unterstützung durch den Bunten Kreis hat uns viel Sicherheit gegeben. Man ist ja doch nervös und weiß nicht, ob man alles richtig macht", gesteht
Silke Schröder, die kein Geheimnis daraus macht, dass junge Eltern mit einem Frühgeborenen sehr gefordert sind. Dinge wie Frühförderung und Krankengymnastik wollten geklärt sein und das nahm Petra
Vos für die Eltern in die Hand. Ebenso gab es Ernährungsfragen zu beantworten und Silke und Jörg Schröder ließen sich in "Babymassage", die besonders gut ist für die emotionale Bindung,
anlernen.
"Wichtig ist es einfach, dass Eltern in so einer Situation einen Ansprechpartner haben, den sie bei allen Unsicherheiten und Fragen zu Rate ziehen können", erklärt Petra Vos.
Nachdem Mina ihren "Zweit-Wohnsitz" im Mathias-Spital aufgegeben konnte, "fühlen wir uns jetzt endlich wie eine richtige Familie und das ist sehr schön", hält Silke Schröder mit ihrer Freude nicht
hinterm Berg.
Rheiner Volksblatt / 11. Dezember 2011