Schwerer Start ins Leben

Raimund und Sandra Kraska mit ihren Kindern Jonathan und Tristan wissen die gute Begleitung von Case-Managerin Hildegard Dreckmann sehr zu schätzen

Von Ulla Wolanewitz

Rinkerode
. Eigentlich hatte Tristan "Hotel Mama" bis Ende Februar 2010 gebucht. Neun Monate eben. Plötzlich ging alles ganz schnell. "Ich hatte morgens so ein ungutes Bauchgefühl. Dachte, es ist besser, wir fahren mal eben zur Gynäkologin, lassen alles abchecken", beschreibt Sandra Kraska den Anlass einer unschönen Odyssee an dessen Ende ihr zweiter Sohn in der 27. Schwangerschaftswoche - 13 Wochen zu früh – mit 1435 Gramm mittels Kaiserschnitt zur Welt kam.


Arhythmische Herztöne und ein nicht auswertbares CTG veranlassten die Ärztin ihre Patientin schnellstens in das St. Franziskus Hospital nach Münster zu überweisen. Während Raimund Kraska und Junior Jonathan nach einem Parkplatz suchen, erfährt seine Frau im OP: "Wir holen ihr Kind jetzt!" Ultraschall, CTG, ein weiteres Telefonat: "Rettungswagen zum Hiltruper Krankenhaus, Mutter kommt mit!" Als Raimund Kraska in Hiltrup ankommt, ist seine Frau dort zwar im OP, an der Pforte aber noch nicht gelistet. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als Ruhe zu bewahren, schließlich ist Jonathan auch noch dabei. Er fährt nach Hause, bringt den Jungen zu Bett, bewacht das Telefon. Endlich um 22.45 Uhr, unwissend, was sich in den Stunden dazwischen getan hat, ist seine Frau am Apparat: "Wir haben einen Sohn". Das war im November 2009. Sandra Kraska verlässt nach einer Woche das Krankenhaus, Tristan ist seit vier Wochen bei seiner Familie. Er hatte keinen leichten Start.

"Tristan hat alles mit genommen, was einem `Frühchen`
so widerfahren kann", erklärt Hildegard Dreckmann, vom Bunten Kreis Münsterland e.V., dem Verein, der sich um die Nachsorge für Familien mit chronisch und schwer kranken sowie früh- und risikogeborenen Kindern kümmert. Die Kinderkrankenschwester aus Ostbevern lässt sich gerade zur ersten "Case-Managerin" im Kreis Warendorf ausbilden, um Familien fachkompetent begleiten und  ihnen somit das Ankommen in so einer neuen Lebenssituation etwas erleichtern zu können. Die Aktion Kleiner Prinz erkannte diesen Nachsorgebedarf und übernimmt deshalb die Ausbildungskosten.
Tristan litt an Gehirnblutungen, externe Sauerstoffzufuhr war von Nöten, da seine Lungen nicht richtig funktionierten, ebenso ein künstlicher Darmausgang. Weitere Diagnose: Hydrocephalus - Wasserkopf. Folge: Operation mit Verlegung eines Shunts, eines Kanals, der das Wasser abtransportiert. Keine leichte Zeit für eine Familie. "Wir haben wochenlang viel geheult", gesteht der Familienvater ganz ehrlich, versichert aber gleichzeitig, dass alle Ärzte gute Arbeit geleistet hätten und, dass sie dankbar seien auf die Unterstützung von Familie, Freunde und Nachbarn zählen zu können. "Wir helfen Anträge auszustellen, erarbeiten Notfallpläne, telefonieren mit den Krankenkassen, beantragen Schwerbehindertenausweise, suchen entsprechende Physiotherapeuten und Heilpädagogen", zählt Hildegard Dreckmann exemplarisch die praktischen Hilfen auf mit dem der Bunte Kreis Münsterland Familien Entlastung bietet. "Es ist schon Luxus, gemeinsam jetzt wieder zu Hause zu sein", sagt Sandra Kraska, nicht klagend darüber, dass Tristan sehr viel mehr Zeit in Anspruch nimmt als Kleinkinder ansonsten.
Kein Arzt kann den Kraskas sagen, was sie weiter erwartet. "Wir wollen das auch gar nicht so genau wissen", betont der Familienvater und ergänzt, dass "wir Tristan alle Frühförderung zukommen lassen wollen, die möglich ist." Schließlich sind die ersten Monate die Entscheidensten, um dann mal ein ganz normales Familienleben leben zu können. "Wie neulich", sagt Raimund Kraska. "Da war ich mit meinen Jungs einkaufen und anschließend im Baumarkt. Das war für uns schon ein großes Stück Normalität."

 

Westfälische Nachrichten / Kreis Warendorf / 24.06.2010

 

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