Wie geht es unseren Familien in der Corona-Zeit?

Alexandra Brüning, 43 Jahre, hat uns in einem Interview Einblick in ihre jetzige Situation gegeben. Sie ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Die große Tochter Rieke ist 13 Jahre alt und besucht normalerweise die 7. Klasse im Arnoldinum in Horstmar und Janne, 6 Jahre, die Johannesschule in Gronau.
Janne wurde in der 28. Schwangerschaftswoche als gesundes Frühchen geboren. Nach acht Wochen zog er sich eine Streptokokkensepsis zu. Daraus folgten eine bilaterale Cerebralparese, eine spastische Tetraparese und eine strukturelle Epilepsie mit infantilen Spasmen.
Er ist mehrfach schwerstbehindert, kann weder laufen noch sprechen und ist in jeder Minute auf Hilfe angewiesen. Er benötigt eine anregende Umgebung, damit seine Bedürfnisse erfüllt werden.
Jetzt in der Coronakrise fällt auch seine Schule und somit seine Förderung und Betreuung von außen aus. Seine Mutter ist zurzeit rund um die Uhr für ihn da.



Frau Brüning, wie sieht Ihr Alltag in der Corona-Krise aus, gibt es Positives?
Frau Brüning: Wir haben einen strukturierten Alltag. Wir stehen morgens so auf, dass Rieke viel im Homeschooling schaffen kann. Ich habe Zeit, mit Janne die Galileo-Therapie fortzuführen.
Wir haben als Familie mehr Zeit für uns und nehmen Kleinigkeiten besser bzw. anders wahr (Wandel der Natur). Wir machen viele Spieleabende, denn ich habe mehr Zeit für Rieke. Wir haben auch schon Kinoabende gemacht oder zusammen gegrillt und ich kann sie auch bei ihren Hausaufgaben unterstützen. Wir machen viele Radtouren und erkunden so die Gegend. Und wir haben mit Inliner fahren und puzzlen neue Hobbys entdeckt!

Was ist zurzeit negativ?
Frau Brüning: Wir können unsere Freunde und Familie nicht besuchen. Janne fehlt die Schule, er braucht die Struktur und die sozialen Kontakte in der Schule. Er ist sehr auf mich fixiert und weint schnell, wenn ich nicht in der Nähe bin. Es ist zudem schwierig, ihm passende Lehr- oder Spielmaterialien anzubieten – aber wir geben unser bestes!

Sie haben als Erzieherin einen systemrelevanten Beruf – nutzen Sie die Notfallbetreuung für Janne?
Frau Brüning: Die Notfallbetreuung nutze ich nicht. Wenn ich arbeiten müsste, wäre es so, dass ich Janne selbst zur Schule bringen müsste und dann zur Arbeit fahre. Ebenso müsste ich Janne auch selbst von der Schule abholen. Es würden durch diese Wege so über 100 Kilometer am Tag zusammenkommen. Ein sehr großer Aufwand, der auch für Janne nicht einfach ist. Dann ist es auch so, dass Janne Epilepsie-Patient ist. Außerdem hat er eine Verkrümmung der Wirbelsäule, so dass es ihm schwerfällt, Sekret abzuhusten, wenn er krank ist (Lunge, Bronchien). Das Risiko ist mir auch zu hoch, dass er sich in der Notfallbetreuung anstecken könnte. Ich habe meinem Arbeitgeber telefonisch die Situation erklärt und bin zurzeit freigestellt.

Was fehlt Ihnen am dringendsten?
Frau Brüning: Uns fehlt die Familie, Freunde und besonders der FuD (Anm.: Familienunterstützender Dienst). Der FuD und die Familie haben uns im Alltag im Bezug auf Janne sehr unterstützt und entlastet. Das fällt momentan alles weg. Janne tat es gut, mit anderen Menschen Kontakt zu haben und ich konnte mal durchschnaufen.
Wir haben das Gefühl, dass er „Input“ möchte, was die Schule am besten kann. Wir können keine Ausflüge machen, die Abwechslung bringen würden (Zoo, Schwimmbad…). Und mir fehlt meine Arbeit in der Kita, der Kontakt zu den Kindern und Kolleginnen.

Was ist neu?
Frau Brüning: Neu ist der neu strukturierte Alltag, um den Tagesablauf zu füllen.
Die neue „freie Zeit“, die wir nutzen können. Neu ist auch, dass wir nicht spontan zu Freunden fahren können. Rieke ist auch gerne mal ein paar Kleinigkeiten einkaufen gefahren, das geht im Moment auch nicht.

Was bleibt?
Frau Brüning: Der familiäre Zusammenhalt bleibt. Wir lernen Kleinigkeiten besser zu schätzen, wie zum Beispiel, dass wir Radtouren unternehmen dürfen. Wir nehmen uns Zeit füreinander. Wir setzen Prioritäten neu (manche Dinge können warten) und wir haben gelernt, mit den Gegebenheiten umzugehen. Wir sind im Alltag entschleunigt. Die Wichtigkeit sozialer Kontakte wurde uns bewusst.

Was wünschen Sie sich?
Frau Brüning: Wichtig wäre für uns, dass die Schule wieder beginnt. Rieke vermisst ihre Schulkameraden. Für Janne wäre es auch wichtig. Er braucht seine Schulkameraden, Lehrer und auch Therapeuten an der Schule. So wären wir als Eltern auch entlastet. Es wurde das Thema Förderschule noch gar nicht so richtig thematisiert. Gerade für diese Kinder sind der strukturierte Tagesablauf und die Schule unheimlich wichtig, finde ich.
Es wäre wünschenswert, wenn für Kinder mit Förderbedarf eine schnelle Lösung gefunden wird, die gut umsetzbar ist.

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